Fachkräftemangel im Friseurhandwerk: Wer nimmt das Telefon ab?
Warum Friseursalons kaum Personal für Empfang und Telefon finden, was das kostet und was Automatisierung bei der Anrufannahme realistisch leisten kann.
Ein klingelndes Telefon ist im Friseursalon selten ein guter Moment. Wer gerade schneidet, hat beide Hände am Kopf des Kunden und keine dritte für den Hörer. Wer den Anruf trotzdem annimmt, unterbricht die Arbeit am Stuhl. Und wer nicht abnimmt, verliert womöglich eine Buchung. Dieses alltägliche Dilemma ist kein Organisationsfehler einzelner Betriebe, sondern die Folge einer Branche, die extrem kleinbetrieblich strukturiert ist und zunehmend kein Personal mehr findet.
Eine kleinteilige Branche unter Druck
Das Friseurhandwerk in Deutschland ist groß in der Zahl der Betriebe und klein in der Betriebsgröße. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks (ZDH) waren Ende 2025 insgesamt 80.118 Friseursalons in der Handwerksrolle eingetragen. Die 53.516 umsatzsteuerpflichtigen Friseurunternehmen erzielten 2024 laut Statistischem Bundesamt einen Branchenumsatz von rund 7,7 Milliarden Euro, und die Branche beschäftigt rund 150.000 Menschen.
Entscheidend ist die Struktur dahinter: Rund 70 Prozent der Salons sind Kleinstbetriebe mit weniger als fünf Beschäftigten. In solchen Betrieben gibt es keine Rezeption und keine Empfangskraft. Es gibt die Inhaberin oder den Inhaber und vielleicht ein oder zwei Mitarbeitende, die alle am Stuhl gebraucht werden. Der Empfang ist keine eigene Rolle, sondern etwas, das nebenbei mitläuft.
Der Nachwuchs bleibt aus
Diese Struktur trifft auf einen Arbeitsmarkt, der immer weniger hergibt. Der DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, für den fast 22.000 Unternehmen befragt wurden, zeigt das Ausmaß über alle Branchen hinweg: Laut der Pressemeldung vom 19. Dezember 2025 berichten 36 Prozent der Unternehmen, dass sie offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen können, weil geeignetes Personal fehlt. Im Mittelstand liegt dieser Wert über 40 Prozent.
Im Friseurhandwerk verschärft sich das Bild durch den fehlenden Nachwuchs. Die Zahl der Auszubildenden ist von 23.540 im Jahr 2014 auf 13.509 im Jahr 2023 gesunken, ein Rückgang von rund 43 Prozent in neun Jahren. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks bezeichnet den Fachkräfte- und Nachwuchsmangel entsprechend als eine der größten Herausforderungen der Branche. Zuletzt gab es allerdings eine leichte Trendwende: 2025 stieg die Zahl der neuen Ausbildungsverträge nach Angaben des Zentralverbands erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder deutlich, um rund 12,6 Prozent. Der Mangel bleibt spürbar, entspannt sich aber ein Stück.
Wenn schon die Fachkräfte am Stuhl fehlen, ist eine zusätzliche Kraft allein für den Empfang für die allermeisten Salons keine realistische Option. Sie steht auf keinem Bewerbermarkt zur Verfügung, und selbst wenn, wäre sie kaum zu finanzieren.
Warum eigenes Telefonpersonal selten trägt
Die Wirtschaftlichkeit ist der zweite Grund. Personalkosten machen im Friseurhandwerk 55 bis 60 Prozent der Gesamtkosten aus. Das benennt Holger Stein, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands, als zentrale Größe der Branche. Bei diesen Anteilen ist jede zusätzliche Vollzeitstelle eine erhebliche Belastung.
Konkret kostet eine Vollzeit-Empfangskraft ab rund 3.500 Euro pro Monat. Für einen Kleinstbetrieb mit weniger als fünf Beschäftigten ist eine Stelle, die selbst keinen Umsatz am Stuhl erwirtschaftet, betriebswirtschaftlich schwer zu rechtfertigen. Fittkau & Maaß und der Fachbeitrag von starbüro bringen das Problem auf den Punkt: Friseure brauchen beim Schneiden zwei Hände, die parallele Telefonannahme ist praktisch unmöglich, und eigenes Telefonpersonal ist für die meisten Kleinbetriebe wirtschaftlich nicht darstellbar.
Der doppelte Verlust am Telefon
Hinzu kommt ein Effekt, der leicht übersehen wird. Wird ein Termin telefonisch bestätigt, ist die Leitung des Salons für diese Zeit besetzt. In genau dieser Spanne kommt kein neuer Terminanruf durch. Der Anbieter Treatwell beschreibt das als doppelten Verlust: Ausgehende Bestätigungen und eingehende Buchungswünsche konkurrieren um dieselbe eine Leitung und dieselbe eine Person, die eigentlich schneiden soll.
Das Ergebnis ist bekannt. Anrufe während der Stoßzeiten laufen ins Leere, gehen auf die Mailbox oder werden gar nicht erst registriert. Jeder dieser Anrufe kann eine Buchung gewesen sein, die stattdessen beim nächsten Salon landet.
Was Automatisierung realistisch leisten kann
An dieser Stelle lohnt eine nüchterne Abgrenzung. Automatisierung ersetzt nicht die Handwerkskunst am Stuhl. Der Schnitt, die Beratung zur Farbe, das Gespräch mit der Stammkundschaft, all das bleibt menschliche Arbeit und Kernkompetenz des Betriebs. Wer etwas anderes verspricht, verkennt das Handwerk.
Was Automatisierung leisten kann, ist enger gefasst und genau deshalb belastbar: die Routine-Telefonie. Die Anrufannahme, das Nennen von Öffnungszeiten und Preisen, das Entgegennehmen und Bestätigen von Terminwünschen sind wiederkehrende, klar strukturierte Aufgaben. Sie erfordern keine Handfertigkeit, aber sie kosten Aufmerksamkeit, die am Stuhl fehlt.
Der Kostenvergleich macht deutlich, warum das für Kleinbetriebe interessant ist. Während eine Vollzeit-Empfangskraft ab rund 3.500 Euro pro Monat kostet, liegen KI-Telefonassistenten mehrerer Anbieter im DACH-Raum bei unter 100 Euro pro Monat. Das ist keine Konkurrenz zur Empfangskraft, die es im Kleinbetrieb ohnehin nicht gibt, sondern eine Antwort auf die Anrufe, die sonst schlicht liegen bleiben.
Fazit
Das Friseurhandwerk ist kleinbetrieblich, hat in den meisten Fällen keine Rezeption und findet immer schwerer Personal, am Stuhl wie am Empfang. Eine Kraft allein fürs Telefon ist für die große Mehrheit der Salons weder auf dem Arbeitsmarkt zu finden noch wirtschaftlich zu tragen. Der Kerngedanke lässt sich zuspitzen: Sie finden keine Empfangskraft, und Sie brauchen auch keine.
Genau hier setzt Terminando an. Der KI-Telefonassistent entlastet das vorhandene Team von der Routine-Telefonie, indem er die Anrufannahme übernimmt, die im laufenden Betrieb sonst niemand schafft. Er nimmt ab, nennt Leistungen und Öffnungszeiten und nimmt Terminwünsche entgegen, während im Salon weiter geschnitten wird. Er ersetzt keine Mitarbeitenden und keine Handwerkskunst. Er sorgt dafür, dass das klingelnde Telefon aufhört, ein schlechter Moment zu sein.
Quellen
- DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, Pressemeldung vom 19. Dezember 2025 (fast 22.000 beteiligte Unternehmen)
- Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZDH) sowie Statistisches Bundesamt: Betriebszahlen, Branchenumsatz, Beschäftigung und Betriebsgrößenstruktur (Stand Ende 2025 bzw. 2024)
- Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks: Ausbildungszahlen 2014 und 2023 sowie Anstieg der neuen Ausbildungsverträge 2025 um rund 12,6 Prozent; Einordnung des Fachkräfte- und Nachwuchsmangels
- Holger Stein, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks: Anteil der Personalkosten von 55 bis 60 Prozent
- Fittkau & Maaß (Umfrage) sowie starbüro (Fachbeitrag): parallele Telefonannahme im Salon und Wirtschaftlichkeit von Telefonpersonal
- Treatwell (Anbieter): doppelter Verlust bei telefonischer Terminbestätigung
- Kostenvergleich Vollzeit-Empfangskraft und KI-Telefonassistent: mehrere DACH-Anbieter